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SO RETTEST DU MENSCHENLEBEN! – IM INTERVIEW MIT HERZ10

Was würdest du tun, wenn neben dir jemand mit einem Herzstillstand kollabiert? Wüsstest du noch alle 1. Hilfe Maßnahmen? Wie war das eigentlich nochmal mit der Herzdruckmassage? Viele schauen in solchen Momenten weg, einfach aus Angst etwas falsch zu machen. Alexander Roloff hat das nicht getan und konnte so einen Menschen retten. Um anderen dieses wertvolle Wissen wieder ins Gedächtnis zu rufen, hat er die Initiative herz10 gegründet. Mit der Hilfe seines besten Freundes und GZSZ – Schauspielers Daniel Fehlow und anderen Prominenten gehen die lustigen aber auch informativen Wiederbelebungsclips viral. Ich habe die beiden zum Interview getroffen und gelernt warum es eigentlich nur 3 einfache Schritte braucht um ein Menschenleben zu retten.

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Wie ist die Idee zu herz10 entstanden? Normalerweise würden zwei coole Jungs doch in irgendein angesagtes Start-Up investieren?

Daniel: Kräuterlikör und Co. haben wir schon alles durch (muli68.de). Aber ganz ernsthaft – ich denke es macht Sinn, wenn Alex sein Erlebnis auf der Stadtautobahn in Berlin erzählt, denn das war sozusagen die Stunde 0 von herz10. 

Alex: Eigentlich rede ich darüber eher ungern aber es war schon das Schlüsselereignis. Ich erinnere mich noch genau an das Datum. Der 3. Januar. Es war früh morgens und es regnete in Strömen. Ich war auf dem Weg in die Firma als plötzlich der Transporter vor mir in die Mittelleitplanke fuhr. Im ersten Moment dachte ich der Fahrer wäre eingeschlafen. Als er aber erneut in die Planke fuhr und dabei auch noch beschleunigte, wusste ich, dass irgendetwas nicht stimmt.

Ich habe es geschafft mich vor das Auto zu setzen und konnte es so ausbremsen. Weitere Helfer und ich haben den bewusstlosen Mann dann aus dem Auto gezogen und ihn versucht wiederzubeleben. Im Nachhinein habe ich erfahren, dass er überlebt hat. 

Hinterher hatte ich die Idee, dass die Helfer und ich uns von einem befreundeten Kardiologen – Prof. Dr. Andresen – zeigen lassen, wie eine professionelle Wiederbelebung funktioniert. Da kam das erste Mal die Idee zu herz10 auf. Also habe ich mich mit Daniel zusammengesetzt und besprochen, wie wir dieses wichtige Thema bekannter machen können.

Daniel: Jetzt kann er über das Erlebnis nüchtern sprechen aber damals hat ihn das emotional schon sehr mitgenommen. Der Vorfall wurde sogar in den Medien breitgetreten. Die Berliner Feuerwehr hat den Helfern ihren Dank ausgesprochen, es kamen sogar Anfragen vom Bundespräsidialamt. Das war schon spektakulär. 

Warum schauen immer noch so viele weg, wenn es darauf ankommt?

Alex: Wir haben an dem Tag zum Glück alles richtig gemacht aber waren trotzdem sehr unsicher. Schließlich hatten die meisten von uns den letzen Erste-Hilfe-Kurs bei der Führerscheinprüfung abgelegt. Ein Mutiger hat die Mund-zu-Mund Beatmung gemacht. Das kostet viel Überwindung.

Daniel: Natürlich gibt es immer Hemmungen einen anderen Mund mit dem eigenen zu berühren. Prof. Dr. Andresen hat erzählt, dass in Berlin 70% der Menschen einfach nichts machen, wenn jemand umkippt. Aus welchen Gründen auch immer. 

Alex: Als wir dann nochmal einen Kurs gemacht haben hat sich herausgestellt, dass die Mund-zu-Mund Beatmung eigentlich gar nicht mehr notwendig ist. Man spricht dann von einer so genanten Laienanimation.

Daniel: Wir schließen diese Methode natürlich nicht aktiv aus – sie ist nicht falsch. Die Notwendigkeit besteht nur nicht. Das wichtigste ist die Sauerstoffzufuhr aufrecht zu erhalten – also das Pumpensystem des Körpers. Die Sauerstoffsättigung im Blut ist noch ausreichend vorhanden. Viel wichtiger ist das Blut, das noch im System ist durch den Körper zu transportieren, so dass Gehirn und Organe ausreichen versorgt werden. Das bedeutet pumpen, pumpen, pumpen – 100 Beats per Minute.

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Irgendwie zu helfen ist natürlich immer besser als gar nicht zu helfen. Trotzdem haben viele Manchen Angst davor etwas falsch zu machen. Wie kann man ihnen diese Sorgen nehmen?

Alex: Genau das ist die Aufgabe von herz10. Wir sagen immer: „easy as Disco“ – das wollen wir den Menschen da draussen vermitteln. Wir sind alles Laien, deswegen haben wir 3 einfache Schritte entwickelt.

„Pumpen, Pumpen, Pumpen –  bis der Arzt kommt!“

Daniel: Natürlich kann man immer irgendwas falsch machen – ein oder zwei Rippen können brechen oder man pumpt in der falschen Geschwindigkeit. Aber alles ist besser als nicht zu helfen. Denn im Umkehrschluss bedeutet es, dass der Betroffene dann tot ist. Da hätte ich lieber ein paar gebrochene Knochen. 

Wenn jetzt hier jemand umfallen würde, würde ich natürlich auch nicht so souverän reagieren, sondern müsste auch erstmal nachdenken. Deswegen fanden wir die Idee bekannte Gesichter aus zum Beispiel GZSZ zu involvieren gut. Wir wollten die Initiative so schnell wie möglich verbreiten und den Menschen vermitteln, dass sie keine Hemmungen haben müssen einzugreifen, wenn es darauf ankommt. Nach dem Motto, wenn die das können, kann ich das auch.

Alex: Die meisten wählen natürlich schon den Notruf aber es gibt eben nur ein kleines Zeitfenster für die Wiederbelebung. Die Überlebenswahrscheinlichkeit sinkt pro Minute. Es entscheidet jede Sekunde. 

Wie genau sehen die 3 Schritte zur Wiederbelebung aus?

Alex: Der erste Schritt heißt: PRÜFEN. Atmet er noch, reagiert er? 

Daniel: Dabei sollte man nicht zu sanft vorgehen, irgendwo kneifen ist eine gute Maßnahme. Das tut weh aber in dem Moment würde man reagieren. 

„Da ist der Muskelkater am nächsten Tag garantiert aber der hat sich gelohnt!“

Alex: Bevor man die Herzdruckmassage beginnt sollte man den NOTRUF WÄHLEN und die Anweisungen befolgen. Danach sofort PUMPEN – 100 Beats per Minute!

Daniel: Jetzt denken bereits viele wieder, wie sie das hinbekommen sollen. Was, wenn man langsamer pumpt? Das ist ok, es kommt nicht auf die Sekunde an! Die Massage an sich sollte aber schon anstrengend sein. Man hält die Arme steif, die Bewegung kommt aus dem Körper, sonst bekommt man keinen ausreichenden Druck hin. Da ist der Muskelkater am nächsten Tag garantiert aber der hat sich gelohnt!

Alex: Wenn möglich sollte man sich abwechseln – wichtig ist nur, dass man das Pumpen nicht unterbricht. 

Wie regelmäßig sollte man sein Wissen über die Wiederbelebung auffrischen? Die Mehrheit war, wie bereits erwähnt, wahrscheinlich das letzte Mal zur Führerscheinprüfung mit dem Thema konfrontiert. 

Alex: Auf jeden Fall sollte man herz10 auf Instagram folgen und unsere Videos regelmäßig anschauen. Letztendlich sind es nämlich nur diese 3 einfachen Schritte.  Wir versuchen das Thema in unseren Clips unterhaltsam zu gestalten, damit es länger im Kopf bleibt. 

Reichen Videos denn aus? Allein die Massage ist schon viel anstrengender als sie in den Filmen wirkt. Wenn dazu noch das Adrenalin kommt, kann einem leicht entfallen was zu tun ist 

Daniel: Natürlich ist es nie falsch sein Wissen regelmäßig aufzufrischen. Je mehr man in der Hinsicht macht, desto besser. Leider stehen solche Kurse eher weiter unten auf der To-Do Liste. Wir versuchen einfach das Nützliche mit dem Angenehmen zu verbinden. Letztendlich ist es auch keine Wissenschaft. Du prüfst, verständigst, und pumpst – mehr nicht. 

Wir haben auch schon überlegt, ob wir Interessierte nicht eigene Trainingsvideos schicken lassen. Dabei kriegt man ein gutes Gefühl für die Technik.

Sollten Arbeitgeber sicherstellen, dass alle ihre Mitarbeiter vermehrt in diesen Themen geschult werden und nicht nur auf wenige Ersthelfer setzen?

Alex: Ich finde 1. Hilfe ein wichtiges Thema – da haben wir ja nur einen kleinen Part von übernommen. Wir haben festgestellt, dass die Inhalte der meisten Kurse trocken sind. Das passt nicht zu unser schnelllebigen Welt. Deswegen haben wir versucht die Aufmerksamkeit anderweitig zu bekommen. Komprimiert. Für jede Firma sind unsere Videos ein Anstoß sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Herzstillstände können auch auf der Arbeit passieren. 

Daniel: Auf Pflichttermine hat niemand Lust. Das Thema darf Spaß machen! Das versuchen wir mit unseren Clips –  ein Gesicht, das man kennt und ein witziger Twist. Im Idealfall bleibt noch Wissen für den Ernstfall hängen.

Alex: Man könnte auch als Teamprojekt oder gemeinsam mit Kunden ein eigenes Video drehen. Dabei setzt man sich mit dem Thema anders auseinander. 

Wie kann man euch unterstützen?

Alex: Wir freuen uns, wenn unsere Follower eigene Videos produzieren. Vielleicht verleihen wir bald sogar einen Preis für die beste Idee. Wir wollen möglichst viele Leute erreichen und haben das große Glück, dass uns tolle Leute unterstützen. Gemeinsam haben schon über 1 Million Menschen erreicht. Das ist ein Riesenerfolg. Da wollen wir weitermachen!

1 COMMENTS

  1. Ein sehr klarer und fundierter Artikel zum Thema Erste Hilfe. Ich bin sicher, Sie haben mir damit geholfen. Ich weiß jetzt mehr oder weniger, was zu tun ist. Diese Informationen sind nämlich genau das, was ich gesucht habe.

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