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KRANKSCHREIBUNGEN PER WHATSAPP? – IM INTERVIEW MIT AU-SCHEIN.DE

Krankschreibungen auf Knopfdruck? Das ist dank AU-Schein.de jetzt möglich. modernworklife hat im Gespräch mit Rechtsanwalt und CEO Dr. Can Ansay herausgefunden, wie du lästige Wartezeiten beim Arzt vermeiden kannst und deine AU-Bescheinigung zukünftig für nur 9€ bequem per WhatsApp bestellst.

 

 

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Krankschreibungen per Knopfdruck mit AU-Schein.de

 

Wie kam es zu der Idee Krankschreibungen über WhatsApp anzubieten?

CEO Dr. Can Ansay
CEO Dr. Can Ansay

Paradoxerweise fing der gesamte Entwicklungsprozess vor fünf Jahren mit einer Krankheit an. Ich hatte eine Sinusitis, deren Diagnose mich Zeit und viele Arztbesuche gekostet hat. Spaßeshalber habe ich mein Krankheitsbild danach bei einem Symptomchecker eingegeben, der sofort die richtigen Schlüsse gezogen hat. Da kam mir die Idee eine eigene App zu entwickeln. Daraus einen Business-Case zu machen hat sich aber als schwierig erwiesen. Im nächsten Schritt hätte ich Investoren finden müssen. Als dann allerdings das Fernbehandlungsgesetz aufgehoben wurde und Telemedizin plötzlich in Deutschland möglich war, habe ich überlegt, wie man auf diesem Gebiet am Besten ein Geschäft aufbauen kann. Die AU-Bescheinigung hat sich dabei als lukrativste Dienstleistung herausgestellt. Allein in Deutschland gibt es  über 500 Millionen Krankschreibungen jährlich. Der Markt ist also groß genug.

„Allein in Deutschland gibt es über 500 Millionen Krankschreibungen jährlich.“

Wie funktioniert AU-Schein.de?

Momentan beschränkt sich unser Service auf Arbeitsunfähigkeitserklärungen für Erkältungen. Diese kann man leicht mit Ja/Nein – Fragen diagnostizieren, der Patient ist sich der Erkrankung bewusst und sie verläuft ungefährlich. Viele stellen sich unter Telemedizin nur den Videochat mit dem behandelnden Arzt vor. Wir haben den Prozess effizienter gestaltet und den Kommunikationsservice WhatsApp gewählt. Das spart den Weg zum Arzt, eine Terminabsprache ist überflüssig und das Wartezimmer wird nicht unnötig besetzt. Der Patient füllt nur unseren Fragebogen aus. Dieser wird dann an eine Praxis weitergeleitet und bearbeitet. Wer vor 10 Uhr bestellt, hat die AU-Bescheinigung noch um 12 Uhr digital vorliegen. Parallel wird auch ein Original verschickt, das beim Arbeitgeber nachgereicht werden kann. Wir möchten wir für alle Beteiligten so einfach wie möglich gestalten.

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So funktioniert AU-Schein.de

Gibt es auch Fälle, in denen die Ferndiagnose missbraucht wird?

Es hat sich gezeigt, dass unsere Nutzer AU-Schein.de meistens am Dienstag in Anspruch nehmen. Beim Blaumachen würde man dagegen eher Montag oder Freitag vermuten. Wer wirklich Krankfeiern will, tut das aber mit oder ohne uns. In denen meisten Fällen schreibt ein Arzt vor Ort sogar noch länger krank. Bei uns geht das nur zweimal im Jahr für jeweils 3 Tage. Der Anreiz ist also nicht größer. Einige Experten fordern sogar, dass man sich selbst bis zu einer Woche krankschreiben darf. Auch Ergebnisse aus Norwegen, wo man für Kurzzeiterkrankungen keine AU-Bescheinigung mehr braucht, zeigen, dass die Krankheitstage sogar abgenommen haben. Das liegt zum Teil am psychologischen Effekt der Eigenverantwortung und dem entgegengebrachten Vertrauen der Arbeitgeber gegenüber den Mitarbeitern. Außerdem übersteigen die Präsentismuskosten ( krank zu Arbeit erscheinen ) die eigentlichen Kosten für Fehltage wesentlich. Wegen der Ansteckungsgefahr ist es sinnvoll 1-2 Tage zu Hause zu bleiben. Wir wollen dafür ein Bewusstsein schaffen und Erkältungen durch Vorbeugung und Aufklärung eindämmen.

„Wer wirklich Krankfeiern will, tut das mit oder ohne uns.“

Inwiefern hat dir dein juristischer Hintergrund geholfen?

Bei der Findung des Geschäftsmodells war mein juristischer Hintergrund auf jeden Fall sinnvoll. Ich würde mich als kreativen Anwalt bezeichnen und konnte Licht in den Paragrafendschungel bringen. Momentan herrscht beim Thema Telemedizin über das, was erlaubt ist, noch viel Irrglaube. Dagegen konnte ich natürlich mit Gesetzestexten argumentieren. Uns kam auch zu Gute, dass sich viele noch nicht an das Thema gewagt hatten. Deswegen auch das enorme Medienecho. Letztendlich zählte für uns aber nicht nur die Rechtslage, sondern, ob AU-Schein.de auch von den Arbeitgebern akzeptiert wird. Darauf waren wir natürlich angewiesen.

Wie wird AU-Schein.de bis jetzt angenommen?

Eine detaillierte Umfrage über die Zufriedenheit unser Nutzer ist in naher Zukunft geplant. Bis jetzt sind die Resonanzen aber durchweg positiv. Gerade für ländliche Gegenden mit einer geringen Ärztedichte oder Menschen, die nicht so mobil sind, bietet sich unser Service an. Auch im Ausland kann man so seinen Urlaubsanspruch im Zweifel retten. Bis jetzt wurden über uns mehr als 5.ooo Krankschreibungen angefordert. Tendenz steigend.

Wie stellt ihr euch die Telemedizin der Zukunft vor?

Zukünftig werden alle Erkrankungen über Apps diagnostiziert werden. Das wird eine massive Entscheidungsunterstützung für Ärzte sein. IT macht ihre Dienstleistungen schneller, verlässlicher und praktischer. Für Krankheitsbilder, die z.B. einen Bluttest voraussetzen, wird der Patient in ein Labor gehen und die App anschließend mit den Ergebnissen gespeist. Dem Arzt liegen so bereits alle Werte vor und er bestätigt die Diagnose nur noch. Damit ist auch wieder mehr Zeit für entsprechende Therapiemaßnahmen. Natürlich kommt immer wieder die Angst vor Fehldiagnosen zur Sprache. Diese passieren aber bereits heutzutage in der „analogen“ Medizin. Es gilt zukünftig transparent mit dem Thema umzugehen, um so das Vertrauen von Mensch & Arzt in die Digitalisierung aufzubauen.

„Zukünftig werden alle Erkrankungen über Apps diagnostiziert werden.“

Welche Entwicklungen stehen AU-Schein.de noch bevor?

Das Team von AU-Schein.de
Das Team von AU-Schein.de

Wir möchten die App gerne auf weitere Krankheitsbilder ausweiten. Magen – Darm Erkrankungen und unterer Rückenschmerz sind mit die häufigsten Ursachen für Kurzzeitkrankschreibungen. Eventuell binden wir auch Migräne und Heuschnupfen mit ein. Natürlich möchten wir auch noch in weitere Länder expandieren. In der Schweiz und Österreich sind wir schon auf dem Markt. Besonders in der Schweiz ist die Telemedizin bereits seit Jahrzehnten erlaubt und unser Service wird dort besonders gut angenommen. Außerdem ist auch noch ein Krankheitsbild in Planung, welches in jedem Fall überraschen wird. Das bleibt aber erst einmal geheim.

1 COMMENTS

  1. Ich finde es gut, dass man über Whatsapp auch die Krankschreibung einreichen kann. Ich hätte an sich bemängelt, dass diese Form der Übermittlung eventuell nicht rechtskräftig sein kann und für Streitfälle sorgen könnte. Da allerdings sogar ein Anwalt diese Möglichkeit darlegt, scheint mir dies kein Problem zu sein. Vielen Dank für diesen Beitrag!

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